Volunteer Blog
26. November 2009
Als Neue in Luxemburg bemerkte ich bald schon das, was ich jetzt die luxemburgische Identität nenne. Ich kam mit dem Gedanken hier her, dass Luxemburg meinem Heimatland Deutschland sehr ähnlich sein muss. Damit habe ich eigentlich auch Recht aber hier ist nicht nur alles Deutsch sondern auch Französisch und als erstes Mal Luxemburgisch.
Klar wusste ich schon vorher dass hier auch Luxemburgisch gesprochen wird, aber nicht wann genau. Wenn zum Beispiel zwei ältere Damen sich im Bus unterhalten dann sprechen sie Luxemburgisch, wenn der Verkäufer sich im Laden mit seinen Kunden unterhält spricht er aber Französisch. Und wenn eine deutsche Freiwillige versucht auf Französisch zu bestellen dann sprechen die Verkäufer auf einmal Deutsch, weil sie so nett sind und nicht wollen, dass man sich quält. Abgesehen davon das ich so nie Französisch lerne, ist mir das sehr sympathisch. Die Leute an der Bushaltestelle sprechen portugiesisch miteinander zumindest vermute ich das. Die Sprache ist also Multikulti. Die Luxemburger freuen sich aber wenn Migranten sich die Mühe machen Luxemburgisch zu lernen, denn sie lieben ihre Sprache!
Und die Luxemburger lieben ihren Großherzog! Dass es ihn gibt fällt einem schnell auf, wenn man hier lebt. Jeden Tag wird von ihm in den Zeitungen berichtet, wohin er seine Ausflüge unternimmt und welchen berühmten Politiker er wieder getroffen hat. Dabei ist der Großherzog wohl ein moderner Herrscher, der nur repräsentieren und nicht regieren will. Er ist das Staatsoberhaupt Luxemburgs, ernennt die Regierung und vollzieht die Gesetze. Das bedeutet, ich lebe jetzt in einer Monarchie die von Großherzog Henri regiert wird. Luxemburg ist übrigens das einzige Großherzogtum das es noch gibt.
Und sonst haben die Luxemburger auch einige Eigenarten. Es gibt hier zum Beispiel keine kleinen Gabeln, Kuchen wird deshalb mit Messer und Gabel gegessen.
Interessant sind auch die Feste die in Luxemburg gefeiert werden. Da gibt es zum Beispiel jedes Jahr nach Pfingsten eine Prozession in Echternach bei der die Teilnehmer zu Polkamusik durch die ganze Stadt springen und dabei einen Riesenspaß haben.
Der Nikolaus ist für die Kinder wichtiger als der Weihnachtsmann und fährt in einem riesigen Umzug durch die Stadt um den Kindern Süßigkeiten zuzuwerfen.
Luxemburg hat mit 40% einen hohen Ausländeranteil. Die Pendler die jeden Tag zum Arbeiten über die luxemburgische Grenze kommen, machen ungefähr 40% der Beschäftigten aus. Trotz dieser Zahlen gibt es in Luxemburg fast keine Ausländerfeindlichkeit. Es gibt nicht mal eine rechte Partei. Die Luxemburger wissen das sie etwas besonderes sind und sind stolz darauf, dass ihr Land obwohl es so klein ist immer noch existiert. Sie sind stolz auf ihre eigene Sprache, ihren Großherzog, ihre Nationalflagge und ihren Leitspruch: "Mir wolle bleiwe wat mir sin"
Ich würde mich drüber freuen wenn das klappt, denn ich habe dieses Land schon nach einem Monat sehr lieb gewonnen, so wie es ist.




